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Archive for August, 2007

Rybka 960-Champion 2007

Zu aller erst mal - meinen herzlichen Glückwunsch an Rybka und sein Team zum wohlverdienten Gewinn der Weltmeisterschaft 2007 im 960-Schach. Wer die News der Szene liest, weiß es schon lange, an Rybka führt derzeit im Computerschach kein Weg vorbei. Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten 10 Jahren eine Engine derartig die Szene dominierte!

Aber was macht diesen Fisch (Rybka - Fisch in einigen slawischen Sprachen) eigentlich so viel besser als andere Engines? Und vor allem was bringt dieses Programm dem ernsthaften Schachspieler an Mehrwert? Der heutige Rybka schlägt wahrscheinlich jedes Schachprogramm aus dem Jahre 2000 mit mindestens 8-2 auf vergleichbarer Hardware (das Ergebnis ist geraten). Dies deutet darauf hin, dass Rybka gegenüber den damaligen Programmen so ca. 200-300 Elo zugelegt hat. Aber welchen zusätzlichen Nutzen hat der Rybka-Anwender gegenüber dem Fritz 7 User?

Ich denke, dass Schachprogramme keine Ahnung vom Schach haben, Positionen nicht richtig erfassen können, keine wirklichen Pläne entwickeln können, dass der Mensch schachlich von ihnen nicht viel lernen kann! Zweifelsohne muß man anerkennen, dass sie erfolgreicher Schach spielen als ca. 100% der Menschheit. Dennoch, man sollte aus dem Ergebnis dieser Zweikämpfe keinen Rückschluß auf die Qualität des Schachs ziehen! Es würde ja auch niemand behaupten, dass Taschenrechner die besseren Mathematiker wären ;-)

Bei der oben erwähnten Weltmeisterschaft im 960-Schach ist mir eine Partie besonders aufgefallen. Im Finale spielte der Vorjahressieger Shredder gegen den neuen Weltmeister Rybka. Shredder hatte Weiß. Shredder-Rybka Finale 2007 (1)
Shredder eröffnete mit 1. c4. Wenn ich an meine ersten Trainingsstunden zurückdenke, mein Trainer versuchte, mir den Sinn der Besetzung des Zentrums in der Eröffnung und des Entwickelns von Leichtfiguren beizubringen, dann erscheint mir Shredders Zug doch einen Sinn zu ergeben. Diese Art von Schach kann ich nachvollziehen.

Aber was macht der frischgebackene Weltmeister Rybka? Rybka spielt 1. … 0-0! Macht dieser erste Zug irgendeinen Sinn? Okay, ich weiß, dass er taktisch nicht wiederlegt werden kann - sonst hätte Rybka ihn nicht gespielt. Aber mal ehrlich, ist ein Zug schon gut, weil man ihn taktisch nicht wiederlegen kann? Was soll die Rocheade hier und jetzt? Der schwarze König steht auf g8 zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht sicherer als auf f8. Genauso wenig steht der schwarze Turm auf f8 aktiver als auf g8. Meiner Meinung nach läßt uns dieser Zug tief in die geheimen Rybka-Sourcen blicken ;-) Da steht irgendwo drin: Eval += iif(Rochade_ausgeführt, +25, -25).
Dieser Code macht im normalen Schach Sinn und ist gewiß Bestandteil von 95% aller Schachprogramme, denn im Zentrum steht der König meistens unsicher. Aber im 960-Schach sollte es bestimmt feinere Abstufungen geben!
Shredder-Rybka Finale 2007 (2)
Zwei Züge später hat Shredder das Zentrum besetzt - aus meiner Sicht ein schönes schematisches Schach - und Rybka läßt den nächsten taktisch unwiederlegbaren Zug folgen, er spielt 2. … a6. Schach macht mir so kein Spass! Ich verstehe die Züge der Programme nicht, ich kann keinen Plan erkennen. Was macht Rybka also besser als seine Kollegen? Wenn ich mir diese Partie anschaue, dann hat Rybka bestimmt nicht mehr Ahnung als andere Programme!? Ich denke, es hat nur eine bessere Suche und macht auf Grund dessen weniger taktische Fehler!?

Warum schreibe ich das hier alles? Liebe Schachprogrammierer, hört endlich auf, auf die Elo-Zahlen zu schauen! Wir brauchen Programme, die Schach spielen und nicht nur taktisch korrekte Züge aneinander reihen. Ich will lieber einen falschen Plan als keinen sehen.

Chessbase und die Hashkollisionen

Der PF3 in Argentinien Artikel ist auf gewisse Weise schon bemerkenswert :-) Nicht nur dass die Anzahl seiner Niederlagen von drei auf zwei reduziert wurde (das wurde inzwischen berichtigt), es wurde auch der Aussetzer von PF3 gegen Lemos erklärt! Die gute Nachricht ist. PF3 scheint bugfrei zu sein. Die schlechte Nachricht, auch bugfreie Programme haben Hashkollisionen.
Und eine solche hat die erwähnte Partie verdorben. Die Mär von den Hashkollisionen habe ich schon sooo oft gehört - ich fand sie eigentlich nie überzeugend!
Meiner Meinung nach ist sie zumeist eine beliebte Ausrede, die von niemanden wiederlegt werden kann. Die Hashkollisionen sind so selten, dass sie eigentlich nie einen Einfluß auf die Suche haben, sie gehen einfach unter in den Millionen von Positionen, die der Rechner abarbeitet. Genau wie viele andere Programme hat Matador (mein eigenes bescheidenes Schachprogramm) seine Hashkollisionen mitprotokolliert. Die, die erkannt werden können, sind natürlich unkritisch, da in diesem Fall die Hasheinträge ignoriert werden. Es ist aber auch logisch und erklärbar, dass die meisten Kollisionen erkannt werden müssen! Im Durchschnitt hatte Matador eine Kollision pro Tag bei einer 24-stündigen Analyse! Andere Programme, deren Erzeugung der genutzten Zufallszahlen noch besser ausgeklügelt war, hatten noch weniger Kollisionen.
Angenommen 70% aller Hashkollisionen können erkannt werden, dann könnte man schlussfolgern, dass Matador alle 3 Tage eine nichterkannte Kollision hatte. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese sich auf die Suche auswirkt, würde ich mit <0,1% beziffern - darüber ließe sich natürlich vortrefflich streiten. Falls ich Recht hätte, würden wir also im Schnitt alle 72.000 Stunden Rechenzeit einen durch eine Kollision beeinflussten Zug erleben.
PF3 hat ca. 40 Stunden in Argentinien gespielt. Der Erwartungswert für die Anzahl der entscheidenden Kollisionen liegt somit bei 0,0005. Was Chessbase doch für ein Glück hatte ;-)

Pocket Fritz 3 beendet Turnier in Argentinien

Mit 5.5 Punkten aus 10 Partien beendet die Beta?! von Pocket Fritz 3 das Copa Puma Mercosur Turnier in Argentinien. Der Elo-Schnitt seiner Gegner lag bei 2448.
PF3 hat die GM-Norm um ca. einen Punkt verfehlt. Ist dies nun als Enttäuschung zu werten - wahrscheinlich nicht!? Zum einen war zumindest eine Partie äußerst merkwürdig! PF3 ließ gegen Lemos (Elo 2456) einzügig seinen Turm stehen, der dann auch noch mit sofortigem Matt geschlagen wurde. Zum anderen ist ein PDA auch mit 600 Mhz eben nicht mit einem aktuellen PC zu verwechseln.

Zum Abschluß noch eine kleine Aufstellung der Highlights:
PF3-Fehler1
Hier spielt Fritz im nächsten Zug g4! Es wäre interessant zu erfahren, ob dies eine Bug oder doch ein Bedienfehler gewesen ist.
Aber auch die Partien gegen Fernandez (2447) und gegen Rodriguez (2547) hinterließen bei mir keinen guten Eindruck. Es scheint fast so, als ob PF3 sein Wissen über die Königssicherheit vergessen hätte.
PF3-Fehler2
Wo ist hier bloß das ganze Wissen über Königssicherheit geblieben? Kann man das vielleicht rauskommentieren? Fernandez spielte jetzt natürlich Txh2 und das Matt war unabwendbar.
PF3-Fehler3
Das hier ist aber mit Abstand meine Lieblingspartie! Rodriguez spielt im nächsten Zug Lxb7! Wann hat man denn zuletzt solch eine Königsstellung gesehen? Danke PocketFritz 3 dass ich das nochmal miterleben durfte, wie ein Mensch die Maschine in Grund und Boden spielt :-))


1 GM RODRIGUEZ, Andres 2547 7.5
2 IM LAFUENTE, Pablo 2454 7.0
3 IM LEMOS, Damian 2456 6.5
4 POCKET FRITZ 3 5.5
5 GM SLIPAK, Sergio 2435 5.0
6 IM VALERGA, Diego 2466 5.0
7 FM FLORES RIOS, M. 2417 4.5
8 IM FERNANDEZ, Daniel 2447 4.0
9 FM PACHECO, Marco 2405 3.5
10 CLAVERIE, Raul 2397 3.5
11 GM PANNO, Oscar 2457 3.0

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